Integrative Therapie
Die INTEGRATIVE THERAPIE (IT) ist ein seit Beginn der 70er Jahre entwickelter Behandlungsansatz von systematischer Methodenintegration und schulenübergreifender Konzeptentwicklung in der Psychotherapie, der auf der Grundlage klinisch-empirischer Forschung ständig weiterentwickelt wird. Durch mehrperspektivische Zugangsweisen werden multimethodische Behandlungswege ermöglicht.
Im Metamodell eines Tree of Science wird die Wissensstruktur der IT als psychotherapeutische Disziplin klar umrissen.
Neben verbalem Austausch sind in der Therapie auch Ansätze nonverbaler Kommunikation sowie kreativer Methoden, Techniken und Medien miteinbezogen. Ziel ist es Heilungs- und Entwicklungsprozesse bei psychischen, psychosomatischen und psychosozialen Erkrankungen in Gang zu setzen. Es sollen Besserungen von seelischen Leidenzuständen erwirkt, die Beseitigung von Krankheitssymptomen erreicht und Lebensqualität, Gesundheitsverhalten und Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden. Die Neuorganisation des Denkens, Erlebens und Verhaltens des Patienten wird mittels therapeutischen Kontakts, Begegnung und Beziehung angestrebt. Dabei wird die Bearbeitung aktueller Lebensprobleme, unbewusster Konflikte unter Berücksichtigung neurowissenschaftlicher Forschung sowie Netzwerksituationen herangezogen. Die therapeutische Beziehung zwischen Patient und Therapeut wird als intersubjektiver Prozess begriffen. Die sich dabei realisierenden Phänomene werden – in der Gegenwart – als bewusste und unbewusste Strebungen und lebensbestimmende, belastende, defiziente oder protektive Ereignisse in der Biografie fokussiert und in ihrer Relevanz für die Persönlichkeitsentwicklung und Lebensführung erfahrbar, so dass eine zukunftsgerichtete, nachhaltige Veränderung des Lebenstils möglich wird.
Auf dieser Basis ist die Integrative Therapie ein kuratives und palliatives Handeln. IT findet in ambulanten, stationären, klinischen und rehabilitativen Settings statt. Außerdem stellt Integrative Therapie eine gesundheitsfördernde Arbeit, z. B. für Prävention und den Aufbau eines gesundheitsaktiven Lebensstils und einen Weg zur Persönlichkeitsentwicklung, z. B. durch Förderung von Bewusstheit, Kompetenzerleben, Selbstwirksamkeit, persönlicher Souveränität im privaten und öffentlichen Bereich dar. Integrative Therapie bietet auch eine Möglichkeit der Kulturarbeit durch Förderung gesellschafts- und gesundheitspolitischen Bewusstseins, Engagement für soziale Gerechtigkeit, Gesundheitskultur sowie für humane Lebensbedingungen.
Die Integrative Therapie findet Anwendung in der Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie sowie in der Supervision.
Anton Leitner, Donau-Universität Krems, Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit
