Gruppenpsychoanalyse
Grundlage aller psychoanalytisch orientierten Gruppenkonzepte, die seit den 40er-Jahren entwickelt wurden, ist die Theorie und Technik der Psychoanalyse Sigmund Freuds im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gruppenkollektiv. Ziel ist die Analyse des individuellen verbalen und emotionalen Ausdrucks gegenüber der/m GruppenleiterIn und den anderen TeilnehmerInnen. Die Konzeptionen der Vielzahl an gruppenpsychoanalytischen Methoden sind im Kontinuum zwischen den Polaritäten "Psychoanalyse des Einzelnen in der Gruppe" und "Psychoanalyse der Gruppe" anzusiedeln. In der Gruppenpsychoanalyse versucht die/der GruppenleiterIn durch die Analyse von intrapsychischen wie auch von in der Gruppe wirksamen Phänomenen (Widerstand, Übertragung, Regression) unbewusste hinderliche Problemmuster der TeilnehmerInnen bewusst zu machen. Analog zur "freien Assoziation" im Einzelsetting der klassischen Psychoanalyse nach Freud führen die Gruppenmitglieder ein "freies Gruppengespräch". Die Schwerpunkte therapeutischer Intervention variieren je nach gruppenanalytischem Ansatz. So werden z.B. bei Bion drei "Grundeinstellungen" von Gruppen unterschieden, auf die die Gruppe als Ganzes immer wieder zurückgeführt werden soll, während Foulkes die Gruppe als "Interaktionsnetzwerk" sieht. Andere gruppenanalytische Modelle betonen mehr die Rangverteilung unter den Gruppenteilnehmern (Raoul Schindler) oder sehen den Gruppenleiter als Repräsentanten väterlich-autoritärer Anteile und richten den therapeutischen Schwerpunkt auf die entstehenden Übertragungsprozesse (Walter Schindler).
Paul Gumhalter, Beatrix Teichmann-Wirth, Martin Voracek und Gerhard Stumm
